»Stell dich mal im Herbst in den Weinberg und probiere reife Silvaner-Beeren«, sagt Ulrich Luckert. Die Sorte schmecke weder besonders fruchtig, noch sei sie überbordend aromatisch. Genau das aber sei ihre große Stärke. Weil sie sich selbst zurücknehme, sei sie wie kaum eine andere Rebsorte in der Lage, den Bodengeschmack in sich aufzunehmen. Ulrich Luckert, sein Bruder Wolfgang und dessen Sohn Philipp bewirtschaften im unterfränkischen Sulzfeld rund 17 Hektar kalkreicher Weinberge. Über die Hälfte der Fläche ist mit Silvaner bestockt. Eine Sorte mit wechselhafter Vergangenheit – längst nicht so nahtlos gepriesen wie der Riesling. Wenn die Geschichte des Silvaners in der Gegenwart und die Aussichten für die Zukunft heute aber zuversichtlich stimmen, dann ist das auch das Verdienst der Luckerts, die sich in den letzten zehn Jahren ohne viel Tamtam an die Spitze der Silvaner-Erzeuger in Deutschland gearbeitet haben. Obwohl sie sich um Rangplätze vermutlich gar keine großen Gedanken machen. Ulrich Luckert hört seinen Gesprächspartnern zu, weil er sich Zeit nimmt. Man erlebt das heute gar nicht mehr so oft. »Ich würde schon meinen, dass ich ein geduldiger Mensch bin«, sagt er.

Das kommt ihm zugute, denn seine Arbeit im Keller ist eigentlich mehr ein Begleiten, ein Zulassen, wenn er die Weine einfach mal in ihren großen Fässern aus fränkischer Eiche in Ruhe lässt. Und das kann manchmal schon etwas dauern, weil Luckert bei der Gärung auf die eigenen Hefen aus Weinberg und Keller vertraut. Und auch sonst nichts von Schönungen hält, die zwar Zeit, aber später oft auch beim Geschmack sparen. Wolfgang Luckert ist für die Weinberge verantwortlich, die nun schon seit rund acht Jahren ökologisch bewirtschaftet werden. Die Luckerts sind davon überzeugt, dass der Geschmack des Bodens in ihren Weinen nach der Umstellung von Jahr zu Jahr deutlicher geworden ist. Tatsächlich eint die Silvaner ihrer Paradelage Maustal ein delikater rauchig-würziger Geschmack. Maustal-Ton nennt ihn Ulrich Luckert, der sich in jedem Wein der Luckerts aus dieser Steillage finden lässt. Mal mehr und mal weniger ausgeprägt zeigt sich diese bodenbezogene Würze aus Muschelkalk, Keuper und Kräutern. Und noch etwas strahlen diese Weine aus: Eine selbstverständliche Eleganz, vor der man aber nicht ehrfürchtig erstarrt, sondern sich ohne Eile nachschenkt.

»Es ist heutzutage doch gar kein Problem mehr, fette und schwere Weine zu erzeugen«, sagt Luckert. Die seien dann aber genau das Gegenteil einer Delikatesse, die erst durch Feinheit und Eleganz berühre. Da ist es ein Glück, dass die Schar neugieriger Zecher in den letzten Jahren größer geworden, ebenso gewachsen ist, wie die Zahl der Winzer, die ihren Weinen mehr zutrauen. Winzer, die Individualität in ihren Weinen zulassen und Zecher, denen es Freude bereitet, sich mit Persönlichkeiten im Glas auseinanderzusetzen. Beide bedingen sich. Ihre Weine haben die Luckerts womöglich gelassener werden lassen, genauso wie auch ihre Weine mit ihnen gelassener geworden sind. Weil am Ende immer alles mit allem irgendetwas zu tun hat.

Diese Geschichte wurde bei Grands Vins Mercure erstveröffentlicht

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